Beteiligung kurz erklärt

Der Begriff der Beteiligung ist im Feld der sozialen Arbeit mittlerweile in aller Munde. Es handelt sich um einen positiv besetzten Begriff. Doch bei einer näheren Betrachtung offenbart sich, dass oftmals unterschiedliche Assoziationen mit diesem verknüpft sind, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass Partizipation in nahezu allen Lebensbereichen eine Rolle spielt. Auch in der Kinder- und Jugendhilfe variiert das Verständnis je nach Aufgabenbereich, obwohl die Auffassungen grundsätzlich auf ein gleichberechtigtes Engagement der Hilfebedürftigen abzielen und von Vorstellungen zur persönlichen Selbstbestimmung und Autonomie geleitet werden.

Um Missverständnisse zu vermeiden, sind eine nähere Bestimmung des Beteiligungsbegriffs und die Erläuterung der möglichen Beteiligungsstufen notwendig.

„Partizipation“ kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Teilnahme oder Teilhabe. Der Terminus kann aber auch Begriffe wie Mitwirkung, Mitgestaltung oder Einbeziehung mit aufgreifen und verweist auf einen politikwissenschaftlichen normativen Hintergrund.

Stufen der Beteiligung

Beteiligungsstufen
Darstellung nach Arnstein, Sherry, “A Ladder of Citizen Participation,” Journal of the American Institute of Planners, July, 1969, S. 216-24.

Laut Arnstein (1969) geht es um Teilhabe an Entscheidungsmacht. Dabei weist Arnstein darauf hin, dass Partizipation je nach den Rahmenbedingungen und den Bedingungen der jeweiligen Zielgruppe unterschiedlich realisierbar ist. Ob und zu welchem Grad Beteiligung verwirklicht wird, ist zum einen von den strukturellen Gegebenheiten und zum anderen von den individuellen Gestaltungsmöglichkeiten abhängig. Arnstein’s Arbeit aus dem Jahr 1969 bietet an dieser Stelle Orientierung, um den Beteiligungsgrad auszuwählen. Es gilt: je mehr Einfluss jemand auf einen Entscheidungsprozess nehmen kann, desto größer ist seine Partizipation. Arnstein unterscheidet zwischen Nicht-Partizipation, Vorstufen von Partizipation (Schein-Beteiligung) und Partizipation. Innerhalb dieser Dreiteilung nimmt sie eine weitere Untergliederung in acht Stufen vor. Die Stufe 9 beschreibt die sogenannte Selbstorganisation von Personen, welche bereits über Partizipation hinausgeht.

Obgleich Arnstein sich in ihren Ausführungen primär auf das Verhältnis zwischen Bürgerinnen und Bürgern und dem Staat bzw. Individuen und Institutionen bezieht, gelten die Darlegungen ebenfalls für das Verhältnis zwischen Personen und Personengruppen, in unserem Fall also für das Verhältnis zwischen dem Klienten, seinen Eltern und der Einrichtung mitsamt den Mitarbeitern.

Beteiligungsstufen in den Hilfen zur Erziehung

Als Träger von Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen müssen Sie deshalb überlegen, welche Stufe der Beteiligung den in Ihrer Einrichtung vorherrschenden Bedingungen und Ihren Klienten gerecht wird. Dazu ist es wichtig, dass Ihr Beteiligungskonzept echte Chancen auf Einflussnahme beinhaltet und keine Scheinbeteiligung vorsieht.

Die Idee der Beteiligung verfehlt ihren Zweck, wenn die Vorschläge der Kinder ins Leere laufen. Deshalb empfehlen wir Ihnen zumindest mit der Stufe 6, sprich mit der Beteiligung in Aushandlungssystemen zu arbeiten, um eine Scheinbeteiligung zu vermeiden und um zugleich durch Prozesse der Partizipation zu profitieren.